Keine feste Beltquerung

Keine feste Fehmarnbelt-Querung – keine Güterzüge durch Ostholstein!

Im Juni 2009 wurde der Staatsvertrag zwischen Deutschland und Dänemark zum Bau einer festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ) ratifiziert. Die Bundesrepublik ver- pflichtet sich darin, die Hinterlandanbindung, eine zweigleisige Bahnstrecke und eine vierspurige Autobahn, auszubauen und zu finanzieren.

Nach Fertigstellung der festen Fehmarnbelt-Querung sollen täglich 78 Güterzüge mit einer durchschnittlichen Länge von 835 m durch Ostholstein rollen.

Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor in Ostholstein, eine der beliebtes- ten Urlaubsregionen Deutschlands. Nicht nur die Küstenorte leben von den Ur- laubsgästen, sondern auch das Binnenland.

Eine Güterzugtrasse würde das Landschaftsbild durch meterhohe Lärmschutz- wände stark verändern und die Lebensqualität für Mensch und Natur vermin- dern. Rad-, Reit- und Wanderwege würden beeinträchtigt. Es käme zu Flächen- verlusten und Zerschneidungen von landwirtschaftlichen Betrieben. Zwischen Lübeck und Puttgarden entstünde ein 89 km langer Lärmkorridor.

Wird die Trasse neu gebaut, bedeutet dies auch, dass die bisherige Strecke durch die Bäder an der Lübecker Bucht nicht mehr weiter betrieben würde. Eine Verlagerung von Haltepunkten an die Autobahn wäre eine gravierende Ver- schlechterung für die Erreichbarkeit der Küstenorte auch für Urlauber.

Weder der Ausbau der Bestandstrasse noch der Neubau einer Trassenvariante westlich der A1 sind raumverträglich. Die Ziele der Regionalplanung sehen für Ost- holstein die Entwicklung des Tourismus, der Landwirtschaft und eines guten ÖPNV vor. Der Bau einer Güterzugtrasse steht diesen Zielen vollkommen entgegen.

Wir GRÜNE fordern:

Stoppt das unsinnige Projekt FFBQ mit Hinterlandanbindung durch Ostholstein!

Eine Güterzugtrasse durch Ostholstein bedroht:

• die Tourismuswirtschaft
• die Lebensqualität der Einwohner • die Natur
• die Landwirtschaft
• die gemeindliche Entwicklung

Feste Fehmarnbelt-Querung - ökologischer und ökonomischer Wahnsinn!

Die Verkehrsprognosen für die FFBQ sind aus dem Jahr 2002 und damit 11 Jahre alt. Auch sämtliche anderen Annahmen der FTC-Studie (Fehmarnbelt Traffic Con- sortium), welche die Grundlage für den Staatsvertrag bilden, sind von 2002. Eine Plausibilitätsprüfung im Rahmen des Dialogforums hat ergeben, dass fast keine Annahme der tatsächlichen Entwicklung entspricht. Auch die Annahme, dass der Fährbetrieb eingestellt wird, ist falsch. Die Reederei Scandlines will weiter fahren, auch wenn der Tunnel kommt.

Der Bau der festen Fehmarnbelt-Querung ist ein teures Prestige-Projekt, das zu einem finanziellen Desaster führen könnte. Mittel für dringend notwendige Ver- kehrsinfrastrukturmaßnahmen werden vermutlich über Jahre hinaus gebunden an eine Strecke, deren Verkehrsaufkommen nicht einmal den Bau einer neuen Bun- desstraße rechtfertigen würde.

Die Baukosten für den Tunnel sollen 5,5 Mrd. Euro (Preisstand 2008) betragen. Die geplante Refinanzierung des Tunnels und der dänischen Hinterlandanbin- dung durch Tunnel-Mauteinnahmen, 251 Mio. Euro pro Jahr:

• PKW 111 Mio.
•LKW 83Mio.
• Busse 10 Mio.
• Schienenverkehr 47 Mio.

Die Auslastung der vierspurigen Unterwasserautobahn würde ca. 10 % betragen.

Die Betriebskosten des Tunnels werden bei 74 Mio. Euro pro Jahr liegen. Voraus- setzung für die Einnahmen sind ein Verkehrswachstum von 1,7 % p.a. und die Einstellung des Fährverkehrs.

Verkehrsprognose KFZ täglich im Durchschnitt zwischen Puttgarden und Rödby:

PKW LKW Busse

2015: 7.786 1.238 120

2025: 9.700 1.900

Ist: weniger als Ist: weniger als Ist: weniger als

4.500 1.200 120

Die Kosten für die Hinterlandanbindung von ca. 800 Mio. Euro haben sich nach Schätzung des Bundesrechnungshofes vom April 2009 auf 1,7 Mrd. Euro erhöht. Darin noch nicht berücksichtigt ist eine neue Fehmarnsundquerung.

Der Süden hat mit Stuttgart 21 und der Osten mit BER hinlänglich gezeigt, was mit unzureichend durchgerechneten Großbauprojekten passiert. 

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